| |
Demeter-Biohof
Sommerfeld
"Ein gesunder Boden ist locker und tiefgründig belebt."
Martin Fleischhauer nimmt eine Hand voll dunkler,
krümeliger Erde in die Hand. "Der Boden riecht nicht
nur lebendig, er ist ziemlich humusreich: Die beste
Basis für die Pflanzenernährung." Das war nicht
immer so, denn erst seit zehn Jahren bewirtschaftet
Familie Gietzelt-Fleischhauer die sechs Hektar in
den Vier- und Marschlanden. Vorher war das Land
lange vernachlässigt worden, der Boden hatte unter
der Brache gelitten.
|
 |
Heute gedeihen hier vor allem Kräuter, Salate,
Blattgemüse und Beerenobst. Viele seltene Sorten
wie Russischer Löwenzahn, gelbe oder schwarze
Himbeeren und Gewürzblüten wie die Kapuzinerkresse
sind nicht nur etwas fürs Auge, sondern erst
recht für die Zunge. Auch feine asiatische
Gemüse wie Mey-Ring Choy wachsen auf dem Biohof.
Das knackige Grün lässt die harte Arbeit
erahnen, die der gelernte Gärtner hier geleistet
hat. Manuelle Bodenbearbeitung, fein abgestimmte
Kompostwirtschaft und der Einsatz von Mikroorganismen
halfen, dem Boden wieder ein Gefüge zu geben.
In Jahren mit guter Witterung kann Martin Fleischhauer
bereits auf den Pflug verzichten. Nur ganz vorsichtig
werden dann die oberen Zentimeter der Krume gelockert,
um die empfindliche Struktur zu schonen. |
|
|
"Aber nur Kräuter und Salate, das wäre
mir hier in den Vier- und Marschlanden zu flach",
lacht Viola Gietzelt, "ich mag Bäume."
Und so stehen junge Obstbäume in voller Blüte,
bieten neu gepflanzte Hecken Vögeln Platz zum
Nisten: "All das, was hier in den nächsten
Jahren sein wird, entsteht durch uns." Gemeinsam
blicken die beiden über das Land: "Nur
die kleine Lagerhalle war schon da." Eine Mietwohnung
im Resthof nebenan diente der inzwischen vierköpfigen
Familie als erstes Domizil in Ochsenwerder. |
Während
der Elternzeit versorgte Martin Fleischhauer nicht
nur den älteren Sohn, sondern nahm sich auch
des brachliegenden Landes an. In
der benachbarten Demeter-Gärtnerei Sannmann,
seinem Lehrbetrieb, war er bis dahin für Bodenentwicklung
und Präparatewirtschaft verantwortlich gewesen.
Und Viola Gietzelt trieb in der Zeit ihr Diplom
der Wirtschafts-wissenschaften voran. "Dann
ist alles gewachsen, hat sich einfach entwickelt",
erzählt das Paar, "langsam wurde das Land
wieder urbar, wir belieferten erst diverse Großhändler,
verkauften an der Straße und schließlich
ab 1999 auf dem Wochenmarkt."
|
Dort steht der Biohof Sommerfeld noch heute: auf den
Öko-Wochenmärkten in Ottensen und Niendorf.
Grün springt natürlich als erstes ins Auge,
die große Kräutervielfalt in der Mitte
der Auslage. Farbenfroh drumherum das Gemüse,
natürlich ein komplettes Sortiment aus eigenen
und auch zugekauften Erzeugnissen. Eins haben sie
alle gemeinsam: "Taufrisch" darf keine Worthülse
sein. Martin Fleischhauer schneidet Kräuter und Salate
vor jedem Markt. "Für uns selbst ist es ganz wichtig,
dass Gemüse und Kräuter direkt aus dem Garten auf
den Tisch kommen. Das an unsere Kunden weiterzugeben,
war von Anfang an unser Ziel", erklärt Viola Gietzelt,
"das Essen macht sonst einfach keinen Spaß." Neben
Gemüse gibt es bei "Sommerfelds" übrigens auch ein
großes Pilzsortiment, im Winterhalbjahr ergänzt durch
Nüsse und Trockenfrüchte. "Ohne unser elfköpfiges
Marktteam wäre das alles nicht möglich. Das Engagement
nur von uns beiden würde bei weitem nicht reichen",
betont Martin Fleischhauer.
Mit dem Beginn der Freilandsaison 2007 gehören die
Sommerfelds zu den Partnerhöfen des Hoflieferanten
– Markus Marquardt und seinem Team. "Mit unserem
vielfältigen Kräuteranbau sorgen wir für Abwechslung
in der wöchentlichen Abokiste", betont Martin
Fleischhauer. Damit die Belieferung mit Kräutern in
ausreichender Menge und Qualität sichergestellt werden
kann, haben die Sommerfelds zwei Arbeitsplätze für
Gärtner geschaffen. Praktikanten sind auf dem
Hof auch stets willkommen und für die Zukunft
können sich die beiden auch Kooperationspartnerschaften
oder Pächter auf dem Hof vorstellen. "Wenn
ich manchmal über unser ungenutztes Weideland
blicke, sehe ich eine kleine Herde Isländer grasen",
grinst Viola Gietzelt. "Es wäre schön,
wieder Pferde um sich zu haben. In meiner Kindheit
haben mich meine Pflegepferde immer glücklich
gemacht." Zwei Shetlandponys sind immerhin schon
auf dem Hof.

Lagerhalle und Mietwohnung? Die sollten schnell zu
klein werden, schon bevor der jüngere Sohn das Quartett
vervollständigte. Aber zum Land des Biohofs gehörte
eben auch ein Bauplatz, und dort ist inzwischen ein
großes Wohn- und Betriebsgebäude gewachsen, das im
Winter 2005 bezogen wurde. "Mein Projekt in den letzten
Jahren", erklärt Viola Gietzelt. "Da musste das Aufspüren
neuer ungewöhnlicher Sorten und das Zusammenstellen
von Rezepten für die Kunden ein wenig zurückstehen"-
denn die begeisterte Köchin ist immer wieder auf der
Suche nach Leckerbissen, die das Sortiment bereichern
können, nach Informationen über Kräuter, Obst und
Gemüse und deren Zubereitung. "Aber jetzt haben wir
endlich die Räume und eine Hauswirtschafterin, um
unsere Kunden auch hier zu empfangen".
Wie alles begann
Kein Resthof, kein Familienbetrieb, nur ein paar Hektar
Land: Der Biohof Sommerfeld ist eine echte Neugründung.
Der Weg dorthin führte über Ottensen, wo sich Viola
und Martin kennenlernten: "Unsere erste Station in
Hamburg." Als freier Kunstmaler hatte Martin Fleischhauer
in seiner Geburtsstadt Düsseldorf gelebt, aber "das
Malen gab meinem Leben nicht den Sinn, den ich suchte."
Ein Neuanfang in einer anderen Stadt, ein Job für
einen Marktstand mit Bio-Gemüse und die Entdeckung:
"Das ist etwas für mich! Nur einen Marktstand zu führen,
wäre mir aber zu wenig gewesen. Ich wollte etwas mit
Pflanzen machen und den Beruf dann schon von der Pike
auf erlernen." Praktika in verschiedenen Gartenbaubetrieben
folgten, zum Schluss in der Gärtnerei Sannmann, in
der Martin Fleischhauer dann lernte und arbeitete.
Aufgegeben hat er die Kunst aber nicht: "Am Marktstand
setze ich die Farben schon gezielt ein", verrät er,
"da male ich mein Bild."
Auch im Garten stößt das Auge auf Ungewöhnliches:
Da bleibt ein Teil der Kräuter schon mal stehen, schießt
auf, blüht von Bienen umsummt, gedeiht bis zur Frucht
und vergeht. "Auch so etwas ist für mich Kunst", bemerkt
der ehemalige Maler.

Aus Dithmarschen stammt Viola Gietzelt, und dass sie
nach Hamburg wollte, stand früh fest: "Ich wollte
ins bunte Großstadtleben, neue Erfahrungen sammeln,
mich ausprobieren." Das Interesse für ökologische
Themen und für Kräuter hat sie aus ihrer Teenager-Clique
mitgebracht. Viola Gietzelt war erst 15 Jahre alt,
als sie sich für die Heilkräuter Maria Trebens interessierte.
Das Studieren vieler Bücher über Heil- und Gewürzkräuter
und deren praktische Verwendung folgten. „Ich habe
aber niemals daran gedacht, einen Beruf aus diesem
Interesse zu machen, weil ich es nur für mich tat.
Und als Martin Gärtner wurde bat ich ihn, für mich
bestimmte Kräuter anzupflanzen. So fing alles an."
Mit der gemeinsamen Wohnungssuche 1990 kam dann noch
eine große Kochleidenschaft dazu. "Biologisches
Essen war mir auch schon wichtig, als wir in einer
kleinen Stadtwohnung im 5. Stock in Ottensen gewohnt
haben. Wir haben dort verrückte Kräutertrocknungsexperimente
gemacht, selbstgemachte Wurst verarbeitet, Feldhasen
hingen in der Dusche, Vollkornbrot gebacken, Sauerteig
gehen lassen, Gemüse getrocknet; die Nachbarn hielten
uns wohl für ein wenig merkwürdig."
Ihr zweites Examen - in Wirtschaftspädagogik und Soziologie
- abzuschließen, chinesisch weiterzulernen, das plant
Viola Gietzelt, wenn rund ums Haus alles fertig ist.
"Ich bin ein Mensch, der unheimlich viel wissen will",
sagt sie über sich. Beide vermissen ihre ausgedehnten
Trekking- und Kanutouren ins nördliche Skandinavien
kaum: "Seit 17 Jahren sind wir ein Team", sagen sie,
"und alles, was wir zusammen unternommen haben, haben
wir mit nach Ochsenwerder gebracht." Auch wenn es
nun statt Bergwandern heißt, beinahe stoisch mehrere
Stunden lang Porree zu putzen. Das gehört dazu. Genau
wie die Farben, die blühenden Kräuter, die umsummten
Beerengehölze.
Manchmal
sind beide trotzdem nicht wirklich hier. In Gedanken
wandert Martin durch Spitzbergens eiskalte Gletcherflüsse
und Viola vergißt sich und die Welt auf Island
am südlichen Ende der Felsschlucht von Asbyrgi ....
manchmal, in Gedanken.
Hof, Garten , Gärtnerei - in diese Schubladen
passt der Biohof Sommerfeld nur schwer. Liebe zur Natur
und zum guten Essen, Kunst und Ökologie - all das verbindet
sich hier. "Ein ganz neuer Ort des Lebens", wie
Viola Gietzelt es ausdrückt, beschreibt ihn viel besser.
"Ihnen allen eine gute Gesundheit!"
Stand 23.08.2007
|
|